• Hilfe bei Abdominalverletzung

    Erfahrungsbericht: Eine Rettungsaktion nach Absturz von der Scheibe.

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  • von Andreas Mennigke

  • Portrait: Brachypelma albopilosum

    Viele von Euch werden jetzt sicherlich fragen, warum wir nun ausgerechnet hier „die Albo", wie sie auch oft vereinfachend genannt wird, vorstellen. Manche Züchter gehen sogar soweit, sie als „Futteralbos" zu denunzieren. Woher diese Geringschätzung kommt und warum sie in meinen Augen völlig unberechtigt ist, möchte ich in meinem Artikel darstellen.

    Brachypelma albopilosa, was so viel wie „die Kurzsohlige mit weißen Haaren" bedeutet, stammt aus Mittelamerika. Dort soll sie nach verschiedenen Literaturangaben eine Verbreitung von Nicaragua über Costa Rica und Honduras haben. Sie ist dort ein typischer Kulturfolger, der gern schattige Waldränder, Weiden und Feldränder bewohnt, sofern diese natürlich nicht mit der chemischen Keule behandelt wurden.

    Bei der Haltung im Terrarium kann auf überflüssige Dekoration verzichtet werden, ein Terrarium ab 30 x 30 x 30 cm für ein adultes Weibchen, in das man rund 10 cm hoch Blumenerde oder besser noch Walderde einfüllt, eine kleine Trinkschale und ein Stück Korkrinde genügen völlig. In der Regel wird sich die Spinne nach ihren Vorlieben einrichten, eine Höhle bauen und diese beziehen.

    Man kann die Tiere ganzjährig bei etwas erhöhter Raumtemperatur pflegen, eine Diapause ist nicht erforderlich. Häufig ziehen sich die Spinnen für einige Wochen zurück, was meistens mit der anstehenden Häutung zusammenhängt. Es sollten dann keine Futtertiere mehr ins Becken gegeben werden und das Terrarium sollte auch nicht völlig austrocknen. Sonst schadet es dieser sehr robusten Art nicht, wenn es einmal ein paar Tage kein Wasser gibt. Dieser Umstand sollte natürlich nicht dazu verleiten, die Tiere zu vernachlässigen.

    Die Zucht ist in der Tat sehr einfach, die Paarung verläuft in der Regel problemlos und ein großes Weibchen kann bis zu 2000 Nymphen enthalten (KLAAS 1995). Dies führte auch zu einer regelrechten Inflation der Jungtiere, die zum Schluss verschenkt oder gar verfüttert wurden. Ich möchte von einem Extrembeispiel bei mir berichten: Von einem Vereinsmitglied erhielt ich einen sehr alten Bock, der noch sein Gnadenbrot bei mir verbringen sollte. Sein Abdomen war winzig, die Beine schon sehr steif und ich erwartete seinen baldigen Tod. Mein Sohn Jan war aber der Meinung, dass er doch wenigstens die Chance haben sollte sich zu paaren, oder aber sein Ende eben sehr schnell durch ein Weibchen erfolgen sollte. Nun gut, mein großes Weib hatte sich vor vier Wochen gehäutet und hatte noch nicht wieder gefressen, das geht dann wenigstens schnell (dachte ich)... Ich gab also den Bock ohne weitere Vorbereitung ins Terrarium des Weibchens und er begann sofort vor ihrer Höhle mit dem rhythmischen Klopfen. Allerdings kam seine Herzdame nicht aus ihrer Höhle. „Nun", muss sich der Bock gedacht haben, „kommt der Knochen nicht zu Hund..." - und stieg eben selbst schnurstracks zum Weibchen in die Höhle.

    Ich wollte gerade zu Jan sagen: „So, das war s jetzt wohl!" - Als beide kopulierend aus der Behausung gekrochen kamen. Nach kurzer Zeit lösten sich die beiden und das Weibchen kehrte seelenruhig in ihr Versteck zurück und ließ ihren Freier unbehelligt vor der Tür stehen. So konnten wir ihn in seine Box zurücksetzten, in der er nur wenige Tage später verstarb.

    Dieses fast schon rührende Beispiel zeigt deutlich, wie einfach eine Nachzucht sein kann und warum es zeitweise sehr viele Spiderlinge auf dem Markt gab. Werden die Weibchen nach der Paarung gut gefüttert, so schreiten sie meist schon sechs bis zehn Wochen später zum Kokonbau, aus dem nach rund acht Wochen zahlreiche, winzige Spinnchen schlüpfen.

    Die Aufzucht ist sehr einfach, wenn darauf geachtet wird, dass die Döschen nicht ganz austrocknen und nicht zu kühl stehen. 25 bis 30°C sind optimal. Ich füttere gern winzige Mehlwürmer oder Pinkymaden, da die Handhabung wesentlich einfacher ist als bei Microheimchen oder Drosophila. Allerdings ist es am Anfang notwendig, ganz frische Micros zu füttern oder gar Springschwänze, da die Jungen in der ersten Fresshaut noch zu klein sind. Leider wachsen die Jungtiere eher mäßig und es können durchaus drei Jahre vergehen, bis die Männchen adult werden. Bei den Weibchen kann es sogar bis vier bis fünf Jahre dauern, bis die Geschlechtsreife erreicht ist.

    Ich kann zusammenfassend nur jedem Spinnenfreund, der diese Art noch nicht in seinem Bestand pflegt, raten, ein paar dieser Slings großzuziehen. Denn es lohnt sich wirklich. Die Spinnen werden mit rund 7 cm Körperlänge bei den Weibchen ansehnlich groß und wirken sehr kompakt. Männchen sind mit etwa 4 cm Körperlänge adult und wirken durch ihre langen Beine wesentlich graziler.

    Beiden gemeinsam sind die hübsche, tiefbraune Grundfärbung und die zahlreichen hellen Haare am Abdomen und an den Extremitäten. Dort sind sie zusätzlich noch an den Enden gekräuselt, was ihr den deutschen Trivialnamen „Kraushaarvogelspinne" eingebracht hat. Besonders schön passt dazu der - besonders nach einer Häutung - golden schimmernde Carapax und dem abgesetzten, cremefarbenen Rand.

    Zu ihrem attraktivem Äußeren, ihrer leichten Haltung und Zucht, kommt ein ruhiges, fast stoisches Wesen, dass die „Albos" für mich zu einer der idealen Spinnen für die Öffentlichkeitsarbeit machen. Ich bezeichne sie deshalb eher als „Präsentationsspinne" und nicht als „Anfängertier" - dieses Wort empfinde ich eher als abwertend.

    Ich hoffe, ich konnte mit meinem Bericht eine Lanze für diese hübsche Art brechen, sie ist und bleibt ein Muss für jeden ernsthaften Spinnenfreund.